„Wie wär‘s denn mit einem spontanen Roadtrip durch Schottland?“, war die Frage, die mir meine Freundin vor Kurzem gestellt hat. Also warum eigentlich nicht? Wir hatten geplant, Anfang des Jahres einen längeren Roadtrip durch Norwegen und Schweden zu machen. Aber wie das so ist im Leben… Manchmal kommt einem etwas dazwischen. Bei mir war es dann dieses Jahr ein Jobwechsel und da will man natürlich nicht gleich nach den ersten Tagen um 3 Wochen Urlaub oder mehr bitten. Diese wären aber nötig, wenn man mit dem Camper nach Skandinavien fahren will. Wenn ich eine solche Strecke schon auf mich nehme, dann will ich genug Zeit dafür haben. Also wurde Skandinavien in den Herbst verschoben und wir flogen Ende März spontan nach Schottland. Solange es zeitlich, finanziell und gesundheitlich noch so kurzfristig möglich ist, möchten wir das ausnutzen.

Roadtrip mit dem Wohnmobil

Wie bei allen unseren Touren, wollten wir auch hier mobil sein und möglichst viel sehen. Wir haben uns deshalb entschieden, einen Van bei Camperdays zu mieten. Bei der Suche nach einem passenden Fahrzeug, wurden wir gleich positiv überrascht. März fällt in Großbritannien absolut außerhalb jeglicher Saison. Von daher sind die Mietpreise für Camper in diesem Zeitraum relativ gering. Damit waren wir dann vollkommen unabhängig und mussten nur hin und wieder einen Campingplatz aufsuchen, um die Toilette zur leeren und Wasser aufzufüllen. Die größere Herausforderung war dabei der Linksverkehr. Es braucht jedenfalls eine gewisse Eingewöhnungsphase und einen achtsamen Beifahrer, der hin und wieder panisch schreit: „Links fahren! Links fahren!!!“.

Die Route

Okay, 6 Tage sind natürlich bei weitem nicht genug um ganz Schottland zu erkunden. Auch wenn wir gerne alles gesehen hätten, mussten wir diese spontane Schottlandtour etwas verkleinern. Glücklicherweise waren wir uns gleich einig und der Schwerpunkt der Reise war schnell gefunden: Die Isle of Skye. Wir flogen von München nach Edinburgh. Nach Glasgow hätte es zwar minimal billigere Flüge gegeben, aber die Auswahl an mietbaren Wohnmobilen ist dort wesentlich kleiner. Ich habe bis heute nicht herausgefunden warum. Jedenfalls sind wir in Edinburgh sofort fündig geworden, also musste auch der Flug dorthin gehen.

Wir landeten also in Edinburgh, fuhren mit dem Taxi zum Wohnmobilverleih und konnten direkt losfahren. Das haben wir dann auch getan, immerhin noch bis in die Highlands. Bis kurz vor Glencoe um genau zu sein. Aber dann forderte das frühe Aufstehen für den Flug seinen Tribut und wir hielten an, kochten das Abendessen und verbrachten die erste Nacht im Van. Mitten in den Highlands… sagenhaft!

Tags darauf fuhren wir, mit nur einem kurzen Zwischenstopp am Eilean Donan Castle, direkt auf die Isle of Skye. Es gibt auf dieser Insel so viel zu sehen, dass wir allein dafür schon mehr Zeit bräuchten, aber wir machten das Beste daraus. Immer wieder musste ich anhalten und Fotos machen, weil auch das Licht gerade sehr gut war. Sehr wechselhaft, aber gerade deshalb gut. Erst als wir im Norden der Insel am Quiraing ankamen, war die Reise an dem Tag beendet. Dort oben war der Wind abends allerdings so stark, dass wir zeitweise Bedenken um unser Wohnmobil hatten. Der Wind legte sich aber nachts wieder und wir konnten am nächsten Tag den kompletten „Quiraing Walk“ wandern. Dort war es so atemberaubend schön, dass wir immer wieder etwas vom Weg abwichen um die Umgebung ein wenig auf eigene Faust zu erkunden.

Die folgenden Tage verbrachten wir dann auch dort auf der Isle of Skye. Leider stellte sich bald heraus, dass der Tag des Quiraing wohl wettertechnisch schon der Beste war. Der Sonne-Wolken-Mix machte Platz für ein monotones Dauergrau. Fairerweise muss man aber sagen, dass es uns in Schottland, speziell auf der Isle of Syke, aber auch wesentlich schlimmer hätte erwischen können.

Wenn man gut ausgerüstet und halbwegs wetterfest ist, kann man damit leben. Alle wichtigen Punkte auf der Isle of Skye haben wir jedenfalls noch besucht. Darunter natürlich den Old Man of Storr, Portree, Coral Beach, Neist Point Lighthouse, Fairy Pools und Elgol. Ich hätte mich wochenlang nur auf dieser Insel aufhalten können. Sie ist ein Traum für jeden Fotografen und so gänzlich anders als die uns bekannte, mitteleuropäische Landschaft. Bäume sind eine Rarität, zwischen Moor und Bergen wird der saftige Boden als Weideland für Schafe und Rinder genutzt.

Und überhaupt… Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Schafe gesehen. Wer meinen Blog verfolgt weiß, dass ich vor kurzem erst einen Systemwechsel zu Fujifilm hinter mir habe und ich dachte Zeitweise schon, dass die neue Kamera haufenweise Pixelfehler hat. Jedes Foto dieser wunderschönen, rauen Natur enthielt winzige weiße Flecken. Dabei sind nur einfach überall die, für die Isle of Skye typischen, „Scottish Blackfaces“ zu sehen. Neben dieser speziellen Schafrasse, findet man auch häufig die weltbekannten schottischen Hochlandrinder direkt am Straßenrand. Beeindruckende Tiere, an die ich mich nicht zu nahe herangetraut habe. Als ich versucht habe, mich zu nähern hat eines bedrohlich in meine Richtung geschnauft. Also bin ich doch lieber wieder umgedreht…

Das Wetter im März auf der Isle of Skye

Eigentlich hatte ich Bedenken wegen der Jahreszeit. Die klassische Urlaubszeit ist auch in Schottland der Sommer und da war ich schon etwas skeptisch. Es wäre ärgerlich, wenn man extra auf die Insel fliegt und dann ausschließlich Regen oder sogar noch Schnee vorfindet. Aber nach einiger Recherche hat sich auch diese Angst dann gelegt. Wegen des wärmeren Golfstroms an der Westküste Schottlands ist das Klima eher als gemäßigt zu bezeichnen. Mit Schnee muss man deswegen im März normalerweise nicht mehr rechnen.

Die Regentage pro Monat sind ab März auch deutlich weniger als in den Wintermonaten. März und April gelten deswegen auch als kleiner „Geheimtipp“ für eine Tour durch Schottland. Wechselhaftes Wetter beleuchtet die Landschaft nur sporadisch, was den Urlaubsbildern zugute kommt. Spektakuläre Lichtverhältnisse erhält man durch die Abwechslung aus Sonne und Wolken und der Regen hält sich meist in Grenzen. Wir wurden nur ein einziges mal richtig Nass und das war am Old Man of Storr. Ansonsten war der Regen meist nicht sehr stark und vor allem nicht sehr andauernd.

Was allerdings mit der Zeit wirklich nerven kostete war der Wind. Teilweise war er so stark, dass an Langzeitbelichtungen vom Stativ nicht mal zu denken war. Am Vorabend unseres Quiraing Walks war der Wind sogar so stark, dass man sich regelrecht in ihn hineinlegen konnte oder sogar musste, um einen sicheren Stand zu haben. Solche Windverhältnisse habe ich bisher nur einmal in den Alpen erlebt, auf dem Weg zur Signalkuppe… auf 4650m über dem Meeresspiegel!

Mit schlechtem Wetter muss man auf der britischen Insel jedenfalls immer rechnen. Also solltest du bei jeder Wanderung für alles gewappnet sein. Das Gute daran ist jedoch, dass es meist nicht allzu lange andauert. Es gibt sogar ein schottisches Sprichwort, dass besagt:

„Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte eine Minute!“

Fazit

Mein Fazit? 6 Tage sind zu wenig! Ich würde sogar so weit gehen und behaupten: 6 Tage reichen gerade für den ersten, süchtig machenden, Eindruck. Und wenn ich sage „süchtig“, dann meine ich das so. Mich hat Schottland und die Isle of Skye derart überwältigt, dass ich es nicht von meiner Places to Visit – Liste streichen konnte, sondern wesentlich höher priorisieren musste.

Ich liebe die Landschaft, die Kultur und sogar die Sprache. Wenn man nur weit genug im Norden ist, sind auf den Schildern die Ortsnamen in englischer und auch in gälischer Sprache vermerkt. Auch im Akzent der Menschen kann man das Gälische deutlich heraushören. Alle Gespräche mit Einheimischen, waren geprägt von einer bedingungslosen Höflichkeit, ohne dabei erzwungen zu wirken. Ein allgegenwärtiges Gefühl des „Herzlich willkommen seins“ machte sich breit. Nicht zuletzt deswegen, steht für uns fest: Das war nicht das letzte Mal. Und bei unserem nächsten Besuch, nehmen wir den eigenen Camper und somit auch mehr Zeit mit.