Im April 2016 bin ich, zusammen mit Simon Markhof und Christian Simmerl, zu meinem bis dorthin größten Abenteuer aufgebrochen. Ein einwöchiger Trekkingtrip mit dem Zelt durch Norwegen. Klingt ersteinmal gar nicht sooo spektakulär, weil das ja eigentlich auch vor uns schon viele Menschen gemacht haben. Da wir allerdings im April schon unterwegs waren, war es dann aber doch ein Trip der besonderen Art. Aber ist Backpacking durch Norwegen nicht immer etwas besonderes?

Vallerret Shutter Showdown

Die Idee zu dem Unterfangen hatte eigentlich Simon. Durch ihn und seine Kooperation mit der norwegischen Firma Vallerret Photography Gloves, ist dieser Trip überhaupt erst zustande gekommen. Vallerret veranstaltete nämlich für seine Teamshooter, zu denen Simon gehört, einen Snowboard/Ski-Fotocontest, weshalb er sowieso nach Norwegen eingeladen wurde. So war es dann seine Idee, nach diesem Contest noch ein wenig zu bleiben. Da das aber alleine nur halb so lustig wäre, hat er mich und den Chris kurzerhand gefragt ob wir denn Lust hätten damit zu kommen.

Ich habe einfach kurzerhand zugesagt und im April ging dann auch schon der Flug von München über Amsterdam nach Bergen. Wir wurden am Flughafen von Carl, dem Gründer von Vallerret, abgeholt. Auf der einstündigen Fahrt nach Voss konnten wir uns dann schon einmal ein bisschen kennenlernen, schließlich übernachteten wir auf Carls Couch. Zumindest während der ersten Tage des Contests. Dabei bekam ich schon einen ersten Eindruck davon, was mich die nächsten Tage im Land der Berge und Fjorde erwartet. Beeindruckende Landschaften, aber auch Eiseskälte und Schnee, nicht gerade wenig für April wie wir ihn kennen.

Was soll ich sagen? Wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Es stellte sich schnell eine familiäre Atmosphäre zwischen uns, dem Team von Vallerret, den Teamshootern und ein paar Bekannten ein. Das ganze Wochenende verlief dabei sehr spannend. Alle haben zusammen geholfen, diesen „Shutter Showdown“ gut über die Bühne zu bringen. Viele junge, regionale Talente auf Ski oder Snowboards haben sich dazu angemeldet und wurden bei ihren Runs von den Shootern in Szene gesetzt. Am Sonntag gab es dann noch ein kleine Abschlussparty mit äußerst leckeren Cocktails. So begann der erste Tag des eigentlich Roadtrips dann doch gleich mit leichten Kopfschmerzen… ohje!

Der Trip durch Norwegen kann starten

Also ging es dann Montag endlich los, zwar mit Kopfschmerzen, aber es ging los. Mietauto abgeholt und die erste Etappe von von Voss zum Tvindevossen gefahren. Dort stellten wir dann auch gleich fest, welche Vorteile es hat, im April nach Norwegen zu reisen. Es sind einfach wesentlich weniger Touristen unterwegs. Sehenswürdigkeiten, die im Sommer sehr überlaufen sind, hat man im Frühjahr fast für sich allein. Für unsere Fotos war das natürlich sehr zuträglich. Übrigens lohnt es sich des öfteren, sich beim Fotografieren auch etwas zu bewegen und die Umgebung zu erkunden. So haben wir nämlich dann ein paar hundert Meter weiter einen Feldweg entdeckt, welcher direkt in den Wald oberhalb des Tvindevossens führt. Diese Entdeckung haben wir uns gleich zu nutze gemacht und in diesem Wald das Zelt aufgeschlagen. Das Rauschen des Wasserfalls war sehr beruhigend beim Einschlafen. Chris teilte uns aber am nächsten Morgen dann mit, dass es wohl gar nicht so bequem sei, die Nacht auf einer großen Wurzel zu verbringen… uuuups!

Die Route im Überblick:

Aufstehen, zusammenpacken, weiter gehts! Nach einem kleinen Frühstück im nächsten Supermarkt ging die Reise weiter. Wir hatten gar nicht damit gerechnet, in höhere Lagen zu kommen, wurden aber auf der Straße zwischen Myrkdalen und Vikøyri eines besseren belehrt. Als wir diesen Gebirgspass überquerten, erschloss sich uns dann auch der Sinn dieser kleinen Spikes an den Autoreifen. Meterhohe Schneewände am Straßenrand und ein Fahrbahnbelag aus purem Eis waren dort oben angesagt. Die folgende Nacht verbrachten wir in Vikøyri an einem Campingplatz der eigentlich geschlossen hatte. Die Besitzern wohnt aber direkt daneben und nachdem wir nett gefragt hatten, konnten wir dort dann schließlich kostenlos unser Zelt aufstellen.

Trocken werden in Lærdalsøyri

Auf diese Nacht folgten leider zwei völlig verregnete Tage, weshalb wir uns dann zwischenzeitlich doch für eine Nacht in einer Ferienwohnung in Lærdalsøyri eingemietet haben. Wir mussten irgendwie unsere Sachen wieder trocken bekommen. Nicht nur dass die dauerhafte Nässe an den Nerven zehrt, nein wir hatten teilweise auch ein wenig Angst um unser Kamera-Equipment. Von Vikøyri führte also unsere Route nach Norden, mit der Fähre auf die andere Uferseite des Sognefjords, durch Leikanger und Kaupanger direkt nach Lærdalsøyri.

Trotz des Dauerregens hatten wir unterwegs viele Gelegenheiten zu fotografieren. Auf vielen Bildern wirkt meiner Meinung nach die imposante Landschaft erst durch die regnerische Nebelstimmung erst so richtig. Allgemein gehe ich sehr gerne auch bei schlechterem Wetter fotografieren. Jedenfalls hatten wir in dieser Ferienwohnung die Gelegenheit, unsere Sachen zu trocknen und eine Nacht im Bett zu schlafen. Ihr glaubt gar nicht wie herrlich dieses Gefühl sein kann! Wenn du übrigens scharf auf ein paar Tipps bist, was du beim Backpacking in Norwegen in den Rucksack packen solltest, dann kannst wirst du in diesem Beitrag fündig.

Einiger der Bilder von Simon Markhof und Christian Simmerl

Gänzlich ausgeruht und getrocknet haben wir unseren Trip dann sehr früh am Morgen fortgesetzt. Für die nächsten Tage noch ein bisschen einkaufen und dann ab in durch den Lærdalstunnel nach Aurlandsvangen. Dieser ist mit unglaublichen 24,5km länge der längste Straßentunnel der Welt. Es ist schon ein etwas beklemmendes Gefühl, zu wissen das der nächste Ausgang in jede Richtung mindestens 12km entfernt ist. Aber was solls, wir sind ohne Panne durchgekommen. Am anderen Ende erkundeten wir erstmal ein wenig die Gegen und holten uns ein paar Souvenirs im Hafen von Flåm.

Und da waren sie dann plötzlich – Die Polarlichter

Wieder zurück in Aurlandsvangen, fanden wir schließlich den Spot des Trips. Zum Aussichtspunkt Stegastein führt nur eine schmale Serpentinenstraße und die Parkplätze sind oben sehr begrenzt. Aber direkt hinter diesen Parkplätzen, ein Stück den Wald hinein, kann man sein Zelt aufschlagen. Das haben wir dann auch getan. Unser Zelt stand, es wurde langsam finster und der Gaskocher wollte wiedermal partout das Wasser nicht zum Kochen bringen. Ich war gedanklich schon im Schlafsack angekommen, da ich nicht erwartet hatte, dass heute noch viel passiert. Und dann klopfte mir Simon auf die Schulter und zeigte nach oben. Es wurde Grün am Nachthimmel.

Die astronomische Dämmerung war noch nicht ganz abgeschlossen, weshalb der Himmel nicht ganz dunkel war. Auch die Tatsache, dass wir nicht derart hoch im Norden waren und hier die Polarlichter wohl meist nicht ganz so stark sind, spielte ein Rolle. Man konnte sie erst nur schwach sehen, aber man konnte sie sehen. Zum ersten mal in meinem Leben, durfte ich dieses atemberaubende Schauspiel beobachten. Wir haben sofort unsere Fotoausrüstung geholt und sind zur Aussichtsplattform hinunter gelaufen.

Gefühlt verbrachten wir dort eine halbe Ewigkeit. Und wir wären wohl dort noch viel länger geblieben, wenn uns die Kälte nicht irgendwann in die Knie (oder den Schlafsack) gezwungen hätte. Gerade der eiskalte Wind auf dieser exponierten Plattform machte is irgendwann einfach unerträglich. Aber da war nicht schlimm. Wir durften alle ein einmaliges Naturschauspiel beobachten und hatten auch genug Shots auf der Speicherkarte. Zufrieden konnten wir also in den warmen Schlafsack kriechen.

Am nächsten Tag fuhren wir unsere Runde weiter, leider schon wieder zurück Richtung Voss. Dabei hielten wir spontan noch für eine kleine Wanderung zum Stahlheimsfossen und waren dann aber bald wieder am Ausgangspunkt, dem Tvindefossen, angelangt. Dort verbrachten wir, in Ermangelung besserer Alternativen, die letzte Nacht und brachen am letzten Tag mit dem Zug in Richtung des Flughafens von Bergen auf. Eines der größten Abenteuer meines bisherigens Lebens war leider vorbei. Aber ich wusste schon bei der Abreise, dass ich nicht zum letzten Mal in Norwegen gewesen bin.

Zrenner, Markhof, Simmerl am Stegastein in Norwegen