Was? Fotolocations im Vorfeld online finden und trotzdem spontan sein? Passt das zusammen? So sehr ich ein großer Fan von Spontanität beim Reisen bin, muss ich doch gestehen: Ganz ohne Planung geht es nicht! Vor jeder Reise solltest du dich mindestens über Schlüsselstellen wie Fähren und die wichtigsten Gesetze und Reisebestimmungen des jeweiligen Landes informieren. Dafür ist es meist nötig, wenigstens eine grobe Route vor der Abreise geplant zu haben. Du kannst dadurch Geld und wertvolle Zeit sparen.

Ein Reiseziel auswählen

Gut, das ist eigentlich logisch. Bevor du natürlich eine Reiseroute festlegen kannst, solltest du wissen, wo du hin möchtest. Wenigstens ungefähr. Dazu muss ich wohl auch keine Tipps geben. Ich gehe schwer davon aus, dass die meisten von euch wissen, wohin sie gerne in den Urlaub oder zum fotografieren fahren würden. Trotzdem kann es manchmal schon interessant sein, gezielt nach Regionen zu suchen, die noch nicht so häufig besucht werden. Manchmal suche ich einfach auf Google oder Instagram nach Landschaftsfotografien aus Ländern, die ich eigentlich nicht auf der Liste der Reiseziele hatte. So lässt sich doch vielleicht hin und wieder eine etwas ausgefallenere Gegend entdecken.

Route im Vorfeld festlegen

Wenn die Region dann ausgewählt ist, geht es darum, eine Route festzulegen. Dafür verbringe ich viel Zeit mit der Recherche über die jeweilige Region. Ich versuche im Netz Tipps von anderen zu bekommen und auch die Homepages/Blogs diverser Reiseveranstalter sind immer mal einen Blick wert.

Gegen Ende Mai 2019 steht ein längerer Roadtrip durch Norwegen und Schweden auf dem Plan. Daran möchte ich dir in einem Beispiel zeigen, wie ich online nach Fotolocations suche. Die Route ist schon in etwa geplant. Anhand einiger mehr oder weniger bekannter Sehenswürdigkeiten habe ich mich darauf festgelegt. Ob diese dann im Detail wirklich genau so aussieht, steht noch auf einem anderen Blatt. Wichtig ist nur, dass ich diverse Schlüsselpunkte, wie z.B. Fähren, fest einplane. Nur so lassen sich die Kosten im Vorfeld abschätzen.

Route unseres Skandinavien Roadtrips

Fotosuche mit Google Maps

Ich weiß also jetzt, wo es ungefähr hin gehen soll und kann anfangen Fotolocations online zu finden. Dafür gibt es sicherlich viele Möglichkeiten. Ich suche dabei gerne direkt nach Bildern in Google Maps. Einige Leute laden Bilder mit den GPS Koordinaten auf Google Maps hoch und stellen sie damit allen anderen zur Verfügung. Diese Bilder werden dann in der Bildleiste angezeigt und ändern sich je nach Kartenausschnitt. Wenn ich also hineinzoome oder den Ausschnitt verschiebe, ändern sich auch die Bilder und es werden wieder Neue für den jeweiligen Kartenausschnitt angezeigt. So lässt sich oftmals ein erster Eindruck der landschaftlichen Gegebenheiten vor Ort gewinnen.

Um diese Bildleiste am unteren Bildschirmrand zu sehen, ist es notwendig, jeglichen Inhalt aus dem Eingabefeld links oben heraus zu löschen. Nur wenn dieses Feld leer ist, werden rechts unten im Fenster drei kleine Bildchen angezeigt. Klicke ich auf diese, öffnet sich ein Footer mit Vorschaubildern. Wenn ich dann mit der Maus darüber fahre, wird mir genau angezeigt wo das jeweilige aufgenommen wurde.

Mit dieser Methode habe ich beispielsweise die oben gezeigte Location in Norwegen entdeckt. Sicherlich ist dieses Google Street View Bild kein Meisterwerk der Landschaftsfotografie, aber darum soll es auch hier bei der Suche nicht gehen. Ich möchte ja keine Bilder finden, um diese nur stupide nachzumachen. Ich könnte mir anhand dieses Bildes aber gut vorstellen, dass man dort spektakuläre Aufnahmen machen kann. Ein paar Schritte nach vorn, das richtige Licht morgens oder abends und eventuell einen starken Graufilter, falls der Wind stark genug für „ziehende“ Wolken ist.  Also gehe ich hier den nächsten Schritt, und sehe mir diese Location genauer an. Ich hole mir die genauen GPS-Koordinaten und wechsle direkt in das nächste sehr hilfreiche Tool.

Detaillierte Informationen in Google Earth Pro finden

Google Earth Pro ist ein geniales Tool um Fotolocations online zu finden. Es ist kostenlos und kann hier heruntergeladen werden. Ich finde es immer wieder erstaunlich, welch mächtige Tools von Google kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Mit Earth Pro hast du die ganze Welt dreidimensional an deinem PC zuhause. Du kannst dir sozusagen jede Fotolocation schon einmal ansehen, bevor du überhaupt dort ankommst. Wie jede Software, hat auch Google Earth natürlich seine Grenzen. Es werden zum Beispiele keine Bäume oder Gebäude dreidimensional dargestellt sondern nur als Textur auf dem Boden. Ein bisschen Vorsicht und Menschenverstand ist also schon noch gefragt. Aber um einen Überblick über die Aussicht von einem Berg zu bekommen, oder zu prüfen welcher Standort der Beste ist um einen See zu fotografieren, eignet sich die Software hervorragend.

Um auf mein Beispiel aus Norwegen zurück zu kommen: Ich kopiere also die GPS-Koordinaten aus Google Maps in Google Earth Pro. Sofort beginnt sich die virtuelle Erde zu drehen und mich direkt an den Ort zu bringen, den ich soeben eingegeben habe. Dort kann ich mich nun frei im Raum bewegen und einen Eindruck von der Szene vor Ort gewinnen. In meinem Beispiel bestätigt mir Google Earth diesen ersten Eindruck. Damit kann man schon etwas anfangen, denke ich.

Tipp zur Navigation in Google Earth Pro

Wenn du ganz weit hineinzoomst, schaltet Earth Pro irgendwann automatisch in die Bodenansicht um. Erst dort lässt sich der Ausblick halbwegs realistisch beurteilen. Als würde man eben selbst dort stehen.

Fotolocation online finden mit Google Earth Pro

Die richtige Tageszeit finden

Ich weiß also schon mal, dass sich die Wanderung zu der Location vermutlich lohnen wird. Der Blick auf den Fjord und die Berge dahinter sollten genug Potenzial für schöne Landschaftsbilder haben. Aber zu welcher Tageszeit? Wie verhält sich das Licht der auf- oder untergehenden Sonne vor Ort? Auch das lässt sich tatsächlich mit Google Earth Pro simulieren. Klicke dazu einfach auf den Button mit dem Sonnen-Symbol am oberen Rand des Kartenfensters und es öffnet sich ein kleines Fenster mit einer Zeitleiste. Dort könnt ihr dann die Uhrzeit einstellen, die für euch interessant ist. Die Darstellung ist ein wenig gewöhnungsbedürftig weil sie meines Erachtens oft zu dunkel ist. Aber eine Vorstellung von der Lichtsituation bekommt man allemal, auch wenn noch ein wenig Phantasie dazu nötig ist.

In meinem Beispiel wiederum sehe ich sofort, dass der Sonnenaufgang für mich wohl interessanter wäre. Da ich die Sonne an diesem Spot morgens im Rücken habe, werden die gegenüberliegenden Berghänge als erstes in ein schönes Morgenlicht getaucht (linkes Bild). Ich entscheide mich also, diesen Spot lieber morgens aufzusuchen und kann das in die Planung des Roadtrips mit einfließen lassen. Entweder steige ich mit Stirnlampe in der Dunkelheit rechtzeitig auf, oder ich steige am Abend zuvor auf und schlafe dort oben im Zelt. In den meisten skandinavischen Ländern ist das kein Problem, da man dank des Jedermannsrechts wildcampen darf.

Der größte Vorteil von Earth Pro ist eben genau diese Zeitleiste. Ich habe an meiner Beispiel-Location noch ein wenig herumgespielt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass auch der Sonnenuntergang recht interessant werden könnte. Ich habe nur den Standort, Blickrichtung und die Zeit verändert und schon könnte ich mir hier ein schönes Bild im abendlichen Gegenlicht vorstellen (rechtes Bild). Das macht mich noch etwas flexibler bei der Planung des Fototrips.

Fotolocation online finden mit Google Earth Pro
Fotolocation online finden mit Google Earth Pro

Finde deine eigenen Fotolocations online

Ich hoffe die Tipps helfen dir weiter, wenn du deinen nächsten Fototrip oder Roadtrip planst. Natürlich kann es auch mit dieser Methode keine einhundertprozentige Planungssicherheit geben. Oftmals sieht es dann in der Realität doch ganz anders aus, als man sich das vorher vorstellt. Aber das Problem hast du schließlich auch, wenn einfach auf gut Glück entdecken gehst.

Manchmal sind es auch einfach die Wetterbedingungen, die dich das geplante Foto nicht umsetzen lassen. Diese Variable kann man zwar auch mit etwas meteorologischem Wissen minimieren, aber das Thema ist so komplex, dass ich es irgendwann in einen oder mehrere separate Beiträge packe. Man muss einfach flexibel sein. Das ist ohnehin das A und O in der Landschaftsfotografie. Wenn man ein bestimmtes Bild im Kopf hat, welches die Bedingungen aber nicht erlauben, dann sollte man sich den Bedingungen einfach anpassen und seine Fotos danach ausrichten.

Aber in vielen Fällen konnte ich mit dieser Methode der Onlinesuche nach Fotolocations schon sehr tolle Plätze entdecken. Das Schönste daran ist dann aber, dass man diese dann meist für sich allein hat. Schließlich bist du nicht an einem total überlaufenen Touristenmagneten, sondern an deinem eigenen Fotospot, den du selbst entdeckt hast. Das ist doch gleich ein ganz anderes Gefühl.