Wer von euch nutzt eigentlich wirklich alle Tasten seiner Kamera? Ganz ehrlich? Moderne Kamerabodys sind teilweise derart überladen mit Tasten, Rädchen und Knöpfen, dass man sie fast gar nicht alle nutzen kann. Das liegt aber auch daran, dass nicht jede Funktion auf einer Taste für dich individuell sinnvoll belegt ist. Genau an diesem Punkt, kann man teilweise Abhilfe schaffen in dem man die Tasten selbst mit anderen Funktionen belegt. Wenn ihr nämlich einmal verstanden habt, was die einzelnen Funktionen machen, könnt ihr das zu eurem Vorteil nutzen. Euer Workflow wird sich dadurch verbessern. Wie ich meine Kamera personalisiert habe, möchte ich euch in diesem Beitrag einmal kurz erklären.

Was ist der Back Button Focus?

Ein Beispiel für eine sinnvolle Neubelegung der Tasten ist der sogenannte Back Button Focus. Ich habe es anfänglich als gegeben hingenommen, dass der Autofokus durch drücken des Auslösers bis zum ersten Druckpunkt (halbes durchdrücken) aktiviert wird. Bis ich irgendwann in einem Buch einen Hinweis auf den Back Button Focus gefunden habe. Das Prinzip ist ganz simpel: Man legt die Funktion des Autofokus der Kamera auf die hintere AF-L Taste (bei Canon AF-ON, die Bezeichnung variiert bei den Herstellern), und somit weg vom Auslöser. Auf welche Taste man die Funktion dabei legt, bleibt jedem selbst überlassen. Ich wählte die AF-L Taste, weil ich sie mit dem Daumen gut erreichen kann während ich durch den Sucher schaue. Und natürlich, weil ich sie sonst nie verwendet habe.

Nikon D610 Rückansicht

Außerdem bleibt mir die Fokusebene solange erhalten, bis ich wieder die AF-L Taste drücke. Ich kann also so viele Aufnahmen machen wie ich möchte, ohne ständig erneut auf das Objekt fokussieren zu müssen. Eine weitere Möglichkeit wäre natürlich das Abschalten des Autofokus. Das muss ich aber jedes Mal am Objektiv selbst machen. Und wenn ich ihn dann doch wieder brauche, geht mir vielleicht wertvolle Zeit für den richtigen Moment verloren. Wenn der AF aber nicht auf dem Auslöser liegt, fokussiere ich wirklich nur dann, wenn ich das auch wirklich möchte. Auch, oder gerade in dunkler Umgebung ist das sehr hilfreich. Wenn der AF bei wenig Kontrast „durchpumpt“, schwenke ich schnell auf eine Lichtquelle, fokussiere mit der AF-L Taste auf unendlich und kann anschließend so viele Bilder machen wie ich will.

Bei schnellen Motiven, also z.B. Tieren oder bei Sportveranstaltungen, habe ich den Vorteil, dass ich im Modus AF-C  kontinuierlich nachziehen kann, ohne das Motiv aus der Schärfeebene zu verlieren. Wenn ein solches Motiv mit halb gedrücktem Auslöser verfolge und dabei abdrücke, muss ich beim Loslassen wieder auf dem ersten Druckpunkt landen um die Verfolgung nicht zu unterbrechen. Das empfinde ich als unpraktisch (manchen Menschen mag das anders gehen). Ich klebe lieber hinten auf der AF-L Taste und löse einfach nur dann aus, wenn ich es für nötig halte. Die Verfolgung läuft dann dauerhaft weiter und ich verliere das Motiv nicht aus dem Fokus.

Noch ein Tipp für Portrait- oder Lifestyle-Shots

Wenn man die Methodik des Back Button Focus noch ein wenig weiterführt und auch andere Tasten mit individuellen Funktionen belegt, kann man seinen Workflow noch weiter beschleunigen. Da ich bisher zum Beispiel nie die Abblendtaste verwendet habe, bekam diese von mir dann die Funktion, welche die AE-L/AF-L Taste vorher hatte: Die Speicherung der Belichtungsmessung. Meine Nikon D610 bietet zudem noch eine frei belegbare Funktionstaste (Fn) auf der Vorderseite, welche gut mit dem kleinen Finger der rechten Hand erreichbar ist. Diese habe ich mit der Funktion „Spot-Belichtungsmessung“ belegt. Wenn ich dann mit Freunden unterwegs bin und die Kamera eigentlich für die Landschaftsfotografie eingestellt habe, kann ich dennoch sehr schnell ein paar Lifestyle-Portraits dazwischen machen.

Fn Taste und Abblendtaste der Nikon D610

Für Landschaften habe die Kamera meist in der Blendenvorwahl mit Matrix-Belichtungsmessung und AF-Single auf dem mittleren Messfeld. Für schönes Lifestyle-Shots bietet es sich oftmals an, mit Offenblende ins Gegenlicht zu fotografieren. Dabei nutze ich meist die Spot-Belichtungsmessung, damit das Gesicht der Person richtig belichtet und der Hintergrund etwas überstrahlt ist. Wenn ich eine solche Situation unterwegs erkenne, müsste ich aber erst versch. Einstellungen an der Kamera vornehmen. Dank meiner personalisierten Tasten bin ich wesentlich schneller. Ich drehe am vorderen Rad die Blende auf, halt mit dem mittleren AF-Messfeld direkt in die Augen der Person, halte mit dem Ringfinger die Fn-Taste für die Spotmessung und drücke kurz mit dem Mittelfinger die Abblendtaste um die Belichtung zu speichern. Gleichzeitig fokussiere ich mit einem Daumendruck auf die AF-L Taste die Augen an. Jetzt kann ich die Komposition noch leicht anpassen und den Auslöser drücken.

Das beste daran ist: Ich brauche anschließend für weitere Landschaftsshots einfach nur die Blende wieder schließen und muss nicht erst alle Einstellungen wieder rückgängig machen. Das erspart mir einfach viel Zeit. Ja, ich gebe zu, dass es anfänglich eine Umstellung ist. Man muss sich an den neuen Workflow erst gewöhnen. Wenn man ihn aber verinnerlicht hat, kann man meiner Meinung nach wesentlich schneller auf wechselnde Situationen reagieren.

Give it a try

Natürlich kann man über viele Wege ans Ziel kommen. Und ich denke der Großteil der Fotografen arbeitet auch mit der Standardbelegung. Aber für mich ist der Back Button Focus eine wirksame Methode, meine Workflow zu beschleunigen und einfach effizienter zu fotografieren. Ich kann jedem nur Raten es einmal selbst auszuprobieren. Nicht nur für ein paar Minuten, sondern bei ein paar längeren Fotoshootings. Es dich schließlich nichts. Wenn du damit gar nicht zurecht kommst, dann kannst du die Einstellungen jederzeit wieder Rückgängig machen.