Bereits 2012 ist die erste Canon G1X auf den Markt gekommen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass sie nicht mit all den tollen Features moderner Kompaktkameras ausgestattet ist. Die Videofunktionen sind nicht mehr zeitgemäß und hilfreiche Funktionen wie Focus Peaking fehlen gänzlich. Jetzt fragst du dich vielleicht: „Wieso holt sich jemand, der sonst mit einer Vollformat-DSLR fotografiert, so ein kompaktes Urgestein ins Haus?“. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Nach diesem Beitrag wirst du meine Entscheidung bestimmt besser verstehen können.

Einsatzbereich – eine günstige Kompaktkamera für Bergtouren

Lange Zeit hatte ich das Problem, dass ich auf meinen Bergtouren nicht wirklich gut fotografieren konnte. Natürlich unterscheide ich bei meinen Ausflügen zwischen klassischen Bergtouren und Fototrips, wie ich das in diesem Beitrag genauer erläutere. Aber auch wenn ich bei den Touren, bei welchen das Bergsteigen im Vordergrund steht, die Spiegelreflex aus Gewichtsgründen zuhause lasse, möchte ich auch dort ein paar schöne Fotos machen. Eine günstige Kompaktkamera musste also her.

Da der Einsatzbereich somit von vornherein abgesteckt war, konnten die Kriterien festgelegt werden. Möglichst gute Bildqualität bei geringem Gewicht. Dazu sollte die Kamera nicht anfällig für harsche Umgebungen sein. Auf Hochtouren geht man manchmal im Tal bei einer Temperatur von 30°C  los, und steht später auf dem Gipfel bei frostigen -5°C. Außerdem kann es immer mal wieder passieren, dass man einen ausgiebigen Regenschauer abbekommt. Also sollte auch Nässe der Kamera nicht unbedingt etwas anhaben können. Zu guter Letzt wollte ich an der Kompaktkamera noch ein Bedienkonzept ähnlich den Spiegelreflexkameras, also mit 2 Einstellrädern und vielen Settings direkt auf den Tasten und ohne Touchscreen. Wenn es kalt und windig wird, ist man froh, wenn man die Kamera auch mit Handschuhen bedienen kann.

Ich habe wirklich lange gesucht. Eine moderne Kompakte für diesen Einsatzzweck zu finden ist nicht leicht, vorausgesetzt man will keine Unsummen ausgeben. Ich bin daher mit meiner Recherche immer wieder bei älteren, günstigen Kompaktkameras gelandet. Diese hatten meist weniger hinderlichen Schnickschnack und waren zudem noch günstiger. Schließlich habe ich viele Angebote von gebrauchten Cams durchforstet und bei einer Canon G1X dann zugeschlagen. Für den fast lächerlichen Gebrauchtpreis von ca. 150€. Lächerlich deshalb, weil die Kamera zur Markteinführung einmal um die 750€ gekostet hat.

Bildqualität und Sensorgröße der Canon G1X

Der Bildsensor ist ein CMOS-Sensor mit 14,2 Megapixeln und einer Fläche von 18,7x14mm. Er ist daher ein ganzes Stück größer als die oft genutzten MFT-Sensoren. Sogar fast so groß wie der in manchen DSLRs eingesetzte APS-C Sensor und daher auch in der Bildqualität vergleichbar. Der Detailreichtum der Bilder ist enorm für eine Kompaktkamera und das Bildrauschen ist bis ISO 1600 kaum der Rede wert. Und hier liegt der große Vorteil, des Kaufs eines älteren Kameramodells. Die Bildqualität ist sogar im Vergleich zu heutigen, wesentlich teureren Kompaktkameras auf allerhöchstem Niveau. Ja, es fehlen ein paar Features wie das Focus Peaking, aber gerade auf Touren brauche ich die meisten dieser Spielereien sowieso nicht. Bildqualität ist aber ein entscheidender Faktor für mich.

Größe und Gewicht – noch vertretbar für eine Kompakte

Größe und Gewicht sind zwar nicht mehr wirklich als kompakt zu bezeichnen, halten sich aber noch in Grenzen. Die Kamera wiegt insgesamt 540g, was zwar für eine Kompaktkamera relativ schwer ist, aber im Vergleich zu meiner Nikon D610 (ohne Objektiv!) doch ein Leichtgewicht. Der Vergleich ist zwar etwas unfair, aber ich wollte ja eine leichte Ergänzung zu meiner D610, also vergleiche ich auch das Gewichtsersparnis damit. Die Canon G1X ist auch zu groß für die Hosentasche, das sollte jedem klar sein. Aber in einer größeren Tasche des Anoraks lässt sie sich durchaus unterbringen. Ich trage sie bei meinen Touren in einer extra Tasche, die am Klettergurt oder am Rucksack befestigt wird.

Ein großer Gewichtsvorteil ergibt sich durch das fest installierte Objektiv. Andere Kompakte mit Sensorgrößen im APS-C Bereich werden oft nur mit Wechselbajonett für verschiedene Objektive angeboten, wie z.B. die Sony Alpha 6000. Mit dem Objektiv der Canon decke ich bereits einen Brennweitenbereich von 28-112mm (Kleinbild-Äquivalent) ab und bin dadurch schon sehr flexibel. Die Brennweite würde mit separaten Objektiven wieder mehr Gewicht und weniger Flexibilität bedeuten, weil ich eventuell öfter das Objektiv wechseln muss.

Widerstandsfähigkeit – Ist die G1X robust genug für solche Touren?

Was mir an der Canon G1X ebenfalls sehr zusagt, ist das robuste Gehäuse. Es ist gegen gröbere Umwelteinflüsse wie Spritzwasser und Staub abgedichtet und besteht teilweise sogar aus Metall. Gerade für Bergtouren ist das ideal. Sie verzeiht es mir recht gut, wenn sie beim Klettern mal etwas Kontakt zum Fels bekommt, auch wenn sie meist trotzdem in einer extra Tasche ist. Große Temperaturunterschiede steckt sie ohne jegliche Probleme weg. Wobei natürlich die Akkuleistung in sehr kalten Umgebungen leidet. Das ist aber völlig normal. Auch Dauerregen macht ihr nichts aus. Wenn man mehrere Stunden im Regen unterwegs ist, hält auch der beste Rucksack das Wasser nicht draußen. Aber wenn ich die G1X abends feucht aus dem Rucksack ziehe, kann ich sie sofort verwenden, wenn ich möchte. Ich lasse sie dann meist aber erst trocknen. Diese Widerstandsfähigkeit ist bei Weitem nicht selbstverständlich, wie dieses Video von meinem Freund Simon beweist. Er war mit seiner Sony Alpha 6000 am Schrecksee in einen Regenschauer geraten und musste diese anschließend reparieren lassen.

Fazit

Zusammenfassend muss ich sagen: Für mich ist die G1X trotz ihres Alters die bisher beste Wahl für meine Bergtouren. Ja, ich verzichte bewusst auf das ein oder andere moderne Feature. Aber ich hatte auch noch nie eine Situation, in der ich diese unbedingt gebraucht hätte, um ein bestimmtes Foto machen zu können. Dafür habe ich einen sehr großen Sensor mit einer exzellenten Bildqualität, verpackt in einer äußerst robusten Kamera. Eben genau der richtige Begleiter für raue Bedingungen. Und sollte sie irgendwann doch von Kälte, Wasser oder Fels beschädigt werden, ist nicht gleich ein kleines Vermögen im Eimer. Dann würde ich mir eventuell sogar für einen Gebrauchtpreis von ca. 150€ nochmal dieselbe kaufen. Oder vielleicht auch den Nachfolger, die Canon G1X Mark II.

Zum Schluss noch ein Foto, das mit der Canon entstand. Manchmal ist es eben wichtiger den Moment festzuhalten, gutes Licht zu haben oder einfach ein Bild gut zu komponieren, statt eine große Vollformat-DSLR dabei zu haben. Die Bildqualität ist für eine günstige Kompaktkamera jedenfalls bei Weitem ausreichend, um deren Bilder eventuell auch mal mit in meine Personal Favorites aufzunehmen.

Lyskamm am Monte Rosa Massiv in Morgenlicht