Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Fotografie und Bergsteigen zwei Hobbies sind, welche sich wunderbar miteinander vereinen lassen. Auf den zweiten Blick sieht das aber dann doch ein wenig anders aus. Ich dachte zuerst auch, dass beides gut miteinander funktioniert. Als ich dann aber mit der Bergsteigerei richtig anfing, wurde mir schnell klar, dass ich unrecht hatte. Es gibt da einfach ein paar Aspekte, die schlecht kombinierbar bleiben. Welche das sind, möchte ich dir in diesem Beitrag kurz erklären.

Wo ist das Problem?

Ich trenne inzwischen wieder klar zwischen einer „Fototour“ und einer „Bergtour“. Und jeder, der schon einmal versucht hat beides zu verknüpfen, wird mir dabei Recht geben. Anders geht es nicht, oder zumindest nur sehr eingeschränkt. Die Gründe dafür liegen eigentlich auf der Hand, auch wenn ich sie anfänglich nicht erkannt habe. Der Hauptgrund ist dabei der Umstand, dass du niemals allein in die Berge gehen solltest. Das wäre gefährlich und auch sehr dumm. Wenn du dann aber mit einer kleineren Gruppe unterwegs bist, wirst du nicht die Zeit für ernsthafte Landschaftsfotografie haben. Das würde bedeuten, dass alle anderen ständig auf dich warten müssen.

Ein weiteres Problem ist der Zeitfaktor. Die Vorgehensweisen sind grundlegend unterschiedlich. Bei der Landschaftsfotografie solltest du dir Zeit lassen, verschiedene Kamerastandpunkte und Kompositionen ausprobieren und vor allem: Auf gutes Licht warten! Für all das ist bei einer richtigen Bergtour keine Zeit weil das unter Umständen gefährlich werden kann. Auf einem Gletscher zum Beispiel, hält man sich nicht länger auf als nötig. Zügig weiterkommen ist da die Devise! Außerdem läufst du Gefahr in einen Wetterumschwung zu geraten, wenn du zu viel Zeit am Berg vertrödelst. Das steht leider im direkten Widerspruch zur Fotografie.

Das Gewicht ist ebenfalls ein nicht zu unterschätzender Faktor. Auf einer Gletschertour hast du ordentlich Equipment dabei. Steigeisen, Eispickel, Seil, Karabiner, Klamotten, Verpflegung… Da sind 10 Kilo im Rucksack schnell beisammen. Möchtest du dazu wirklich noch eine DSLR mit 3 Wechselobjektiven und einem Stativ schleppen? Ich ganz sicher nicht. Natürlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt sicherlich Menschen die fit genug sind, auch dieses Zusatzgewicht noch auf einen 3.000er zu befördern. Ich möchte mir das aber nicht antun.

Können Fotografie und Bergsteigen trotzdem miteinander funktionieren?

Ich ja sage: Ja! Aber mit Einschränkungen. Du kannst nicht erwarten beides zu 100% miteinander kombinieren zu können. Wenn du dir vorher darüber Gedanken machst und dich für eine der folgenden Varianten entscheidest, wirst du bei deiner Unternehmung auch nicht enttäuscht. Der wichtigste Tipp, den ich für dich habe, ist:

Sei dir vor deiner Tour im Klaren darüber, was du vor hast und passe deine Erwartungshaltung an.

Ein richtige Bergtour, bei der du auch fotografierst

Bei einer handfesten Berg- oder gar Gletschertour fotografiere ich natürlich auch. Meine Spiegelreflex-Ausrüstung lasse ich dabei aber immer im Tal. Stattdessen nehme ich eine kompakte Kamera mit, die nicht viel wiegt und gut in der Jackentasche oder dem Rucksack verstaubar ist. Ich nutze dafür eine ältere Canon Powershot G1X, welche ich für wenig Geld gebraucht gekauft habe. Die Vorteile liegen auf der Hand. Wenig Gewicht wegen der kleineren Kamera und natürlich wegen der fehlenden Wechselobjektive. Trotzdem hat die G1X einen Sensor mit einer Größe, die dem APS-C Format sehr nahe kommt und daher eine ausgezeichnete Bildqualität für das kompakte Gehäuse. Auch der Brennweitenbereich ist bei der Canon nicht von schlechten Eltern. So habe ich genug Weitwinkel für kreative Landschaftsaufnahmen, aber auch einen ausgeprägten Telebereich um Details heranzuholen. Auf das Stativ verzichte ich ganz.

Bei Tageslicht bin ich mit dem Setup gut gerüstet um schnell zu reagieren und während des Auf- oder Abstiegs ein paar gute Aufnahmen zu machen, ohne dabei die anderen aufzuhalten. Vor allem wenn man in einer Seilschaft unterwegs ist, ist das wichtig. Bei wenig Licht wird es, im Gegensatz zum DSLR-Setup, schon etwas schwierig. Mit diesem Kompromiss kann ich sehr gut leben. Man darf hier aber nicht immer die überragenden Shots erwarten. Wenn das Wetter dann doch auch ein bisschen mitspielt, wird man trotz des kleineren Setups mit tollen Fotos belohnt und merkt, dass man Fotografie und Bergsteigen sich nicht zwangsläufig ausschließen. In meiner Portfolio-Kategorie „Alpen“ findest du einiges Beispiele dafür.

Wilder Freiger im Nebel

Eine Fototour in den Bergen

Ganz anders gestalte ich dagegen meine Fototouren in den Bergen. Dort geht es mir hauptsächlich um bestmögliche Fotos zur bestmöglichen Tageszeit. Dadurch ergibt sich schon eine ganz andere Ausrüstung. Ich vermeide dann möglichst Gletscher und auch ausgesetztere Kletterpassagen und kann dadurch natürlich massiv an schwerem Equipment einsparen. Seile, Eispickel, Karabiner… all das kann zuhause bleiben und ich packe dafür die DSLR und ein paar Objektive ein. Um wirklich zur besten Zeit vor Ort zu sein, macht es Sinn neben der Stirnlampe auch einen Schlaf- und Biwaksack dabei zu haben. Damit bin ich voll unabhängig und kann einfach an Ort und Stelle bleiben.

Eine Hüttenübernachtung ist auch eine Möglichkeit. Dabei sollte man aber immer die anderen Gäste respektieren und äußerst leise sein, wenn man spät ins Bett geht oder sehr früh aufsteht. Wer sich zu einer solchen Fototour entschließt, nimmt bestenfalls auch nur Fotografen mit oder bereitet die Begleiter schon im Vorfeld auf sein Vorhaben vor. Dann kann hinterher auch niemand meckern, wenn er warten muss. Wenn ich auf Fotojagd bin, habe ich dann eben nicht die Erwartungshaltung, irgendwelche Gipfel erreichen zu müssen. Sollte sich ein Gipfelkreuz einfach erreichen lassen, versuche ich es natürlich schon. Wenn aber nicht, dann lasse ich es bleiben. Dafür sind dann die wieder die richtigen Bergtouren gedacht. Die Erfahrung hat mir übrigens gezeigt, dass es für gute Bergfotos meist sowieso günstiger ist, wenn man weiter unten bleibt.

Schrecksee im Morgenlicht

Vorsichtig sein!

Wie auch immer du deine Unternehmung nun angehst. Unterschätze niemals die Gefahren, die von den Bergen ausgehen. Bereite dich gut vor indem du Karten und den Wetterbericht genauestens studierst. Geh nicht los, wenn das Wetter unvorhersehbar wird. Selbst wenn du nur ein paar hundert Höhenmeter aufgestiegen bist für ein paar schöne Fotos… Wenn das Wetter umschwingt, musst du die Zeit für den Rückweg einkalkulieren. Lerne deine Fähigkeiten und Kondition richtig einzuschätzen und nimm immer genügend Notfallproviant mit. Die richtige Ausrüstung solltest du ebenfalls dabei haben. Angemessenes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung. Und das Wichtigste: Gehe niemals allein in die Berge!

Wenn du Fragen oder Anregungen zu dem Thema hast, dann scheib mir gerne eine Email. Vielleicht hast du auch selbst schon versucht Fotografie und Bergsteigen unter einen Hut zu bringen und möchtest deine Erfahrungen mitteilen. Ich würde mich freuen!