Schöne Orte ziehen viele Menschen an. Das war doch schon immer so, oder? Natürlich. An bestimmten Locations herrscht allerdings inzwischen ein regelrechter Übertourismus, der schädlich für alles Natürliche in der Umgebung ist. Mancherorts, müssen teilweise schon Ordnungshüter eingreifen um die Natur zu schützen, so zum Beispiel am Schrecksee in den allgäuer Alpen. Wenn ich an eine solche Location komme, ist der erste Reflex immer, mich über die vielen Menschen mokieren zu wollen… und dann frage ich mich: Was ist mit mir? Bin ich nicht einer von ihnen…?

Und an der Stelle wird es leider doch etwas knifflig. Ich möchte doch auch nur die Landschaft genießen und ein paar schöne Bilder machen. Aber will ich mich wirklich in eine Reihe von 10 oder mehr Fotografen stellen, um ein Bild zu machen das es schon tausendfach im Netz zu sehen gibt? Selbst wenn ich gar nicht fotografieren würde: Kann ich die Schönheit dieses Ortes  überhaupt noch ohne schlechtes Gewissen genießen? In den meisten Fällen kann und will ich das nicht.

Auf der Jagd nach Likes und Followern bleibt meiner Meinung nach der Bezug zur Natur total auf der Strecke. Ich will das nicht verallgemeinern, aber in vielen Fällen kann man deutlich beobachten wo die Prioritäten liegen. Man möchte einerseits den Followern zeigen, wie nah man der Natur steht und wie gerne man sich darin aufhält. Im nächsten Moment fliegt aber die Plastikverpackung des Schokoriegels in den nächsten Busch. Wenn der perfekte Insta-Shot im Kasten ist, bleibt der Müll einfach liegen, außerhalb der Wege wird alles niedergetrampelt und störende Pflanzen werden entfernt. Einklang mit der Natur sieht anders aus. Das ist das Problem mit Instagram.

Möge sich euer Sinn für Natur und Landschaft eines Tag genau so entwickeln, wie ihr versucht, ihn auf Instagram darzustellen.

Das wäre wünschenswert. Aber von den Härtefällen mal abgesehen: Es gibt mit Sicherheit viele Menschen wie mich, die solche Orte wirklich der Natur wegen aufsuchen und auch respektvoll mit ihr umgehen. Dennoch ist es für die Natur eine Belastung. Und da ist auch das Dilemma. Wie anfangs erwähnt: Ich bin einer von ihnen! Auch wenn ich meinen Müll wieder mitnehme und versuche, nichts zu zerstören… Ich bin nur ein weiterer Besucher in dieser Masse. Aber was kann ich dagegen tun?

Auf diese Frage habe ich noch keine eindeutige Antwort gefunden. Schließlich sucht man doch genau diese Locations auf, weil sie eben für die Landschaftsfotografie so gut funktionieren. Was ich jedoch ganz bewusst mache: Ich begebe mich nicht mehr so intensiv in Instagram auf die Suche nach Fotolocations. Also lege ich mich meist auf eine Region fest, von der ich mir viel erhoffe, und versuche selbst zu entdecken. Abseits der ganz großen Touristenmagneten. Ihr wärt erstaunt, was man da so alles entdecken kann. Außerdem bin ich vorsichtiger beim Posten geworden. Oftmals halte ich die Beschreibung der Bilder mit der Location eher Allgemein.

Vielleicht sollte sich jeder mal ein bisschen an der eigenen Nase packen und versuchen wieder mehr zu den Basics zurückzukehren. Geht es in der Landschaftsfotografie nicht darum, etwas zu erleben? Den Sonnenaufgang in den Bergen zum Beispiel? Klar ist ein grandioses Bild davon, eine Art Belohnung. Aber:

Wer ausschließlich „Likes“ und „Followern“ hinterher jagt, verliert das Wesentliche aus den Augen.

Das ist aber durchaus ein Thema, welches einen extra Artikel wert wäre. Ich habe mich selbst eine Zeit lang in dieser Jagd verloren, aber glücklicherweise wieder zurück gefunden. Inzwischen habe ich lieber gute Landschaftsbilder die weniger „Likes“ einsacken, die mir dafür aber besser gefallen weil ich mich damit identifizieren kann. Sie können zwar nicht mit den gehypten Hashtags versehen werden, erzählen dafür aber etwas über mich. Dadurch hat sich auch meine Fotografie verbessert, da bin ich mir sicher.

Deshalb möchte ich jedem von euch Raten, nicht die tausendste Kopie der bekannten Influencer zu werden, sondern selbst etwas zu schaffen. Verstärkt das Problem mit Instagram nicht weiter. Vielleicht ist die Masse, der das dann gefällt nicht ganz so groß, dafür sind diese Leute dann aber auch wirklich interessiert an dem was du tust. Probier es einfach mal aus!